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Quantz: Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen

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Das XVIII. Hauptstück. Wie ein Musikus

  Ihr Adagio hatte mehr eine natürliche Harmonie, als gute Melo-
die. Sie macheten darinne auch wenig Manieren; außer daß sie dann
und wann die springenden Intervalle mit laufenden Noten ausfülleten.
Die Schlüsse ihrer langsamen Stücke waren einfältig. Anstatt daß man
itziger Zeit, wenn man z. E. im C schließen will, den Triller auf dem D oder
H schlägt: so schlugen sie denselben auf dem C, welchem sie die Zeit einer pun-
ctirten Note gaben, und ließen das H als eine kurze Note nur simpel hören;
der Endigungsnote C aber wurde noch eine, um einen Ton höher ste-
hende Note, als ein besonderer Zierrath angeschleifet. Ihre Cadenzen
waren ohngefähr in der Ausführung so beschaffen, wie Tab. XXIII. Fig.
15. mit Noten ausdrücket zu sehen ist. Von vorhaltenden Noten, wel-
che den Gesang an einander zu binden, und, auf eine angenehme Art,
die Consonanzen in Dissonanzen zu verwandeln dienen, wußten sie wenig
oder gar nichts: weswegen ihre Art zu spielen nicht rührend noch reizend,
sondern platt und trocken war.

Vielerley Instrumente, von denen man itzo kaum noch die Namen
weis, waren bey ihnen üblich. Es ist daher zu vermuthen, daß man,
wegen Vielheit derselben, mehr Ursach gehabt habe ihren Fleiß, als
ihre Geschiklichkeit im Spielen, zu bewundern.

82. §.

  So schlecht es aber in den vorigen Zeiten, bey aller gründlichen Einsicht
der deutschen Componisten in die Harmonie, mit ihrem, und der deut-
schen Sänger und Instrumentisten ihrem Geschmacke ausgesehen haben
mag: so ein anderes Ansehen hat es doch nunmehr nach und nach damit
gewonnen. Denn wenn man auch von den Deutschen nicht eben sagen
kann, daß sie einen eigenthümlichen, und von den andern Nationalmu-
siken sich ganz unterscheidenden Geschmack hervor gebracht hätten: so
sind sie hingegen desto fähiger, einen andern, welchen sie nur wollen, an-
zunehmen; und wissen sich das Gute von allen Arten der ausländischen
Musik zu Nutzen zu machen.

83. §.

  Es fiengen schon im vorigen Jahrhunderte, seit der Mitte desselben,
einige berühmte Männer, welche theils Italien oder Frankreich selbst be-
suchet, und darinne profitiret hatten, theils aber auch die Arbeiten und den
Geschmack der verdienten Ausländer zu Mustern nahmen, an, die Aus-
besserung des musikalischen Geschmackes zu bearbeiten. Die Orgel- und
Clavierspieler, unter den letztern vornehmlich Froberger, und nach ihm
Pach-

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