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Quantz: Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen

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und eine Musik zu beurtheilen sey.

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  F[i]ndet sich aber das Gegentheil, oder man hat vielleicht wider die Per-
son des Verfassers etwas einzuwenden: so taugt auch das ganze Stück
nichts. Wollte sich jemand hiervon handgreiflich überzeugen; so dürfte
er nur zwey Stücke, von gleicher Güte, unter andern Namen, da der
eine im Credit, und der andere im Miscredit steht, ausgegeben. Die
Unwissenheit vieler Beurtheiler würde sich gewiß bald entdecken.

6. §.

  Diejenigen Zuhörer, welche bescheidener sind, und sich doch selbst
nicht die Einsicht zutrauen, eine Sache beurtheilen zu können, nehmen
oftmals ihre Zuflucht zu einem Musikus; und glauben dessen Worten,
als einer unumstößlichen Wahrheit. Es ist wahr, durch das Anhören
vieler guter Musiken, und durch das Urtheil, welches erfahrne, auf-
richtige und gelehrte Tonkünstler davon fällen, kann man einige Erkennt-
niß erlangen: zumal wenn man zugleich nach den Ursachen, warum das
Stück gut oder schlecht sey, fraget. Dieses würde also eines der gewis-
sesten Mittel seyn, um nicht zu fehlen. Allein sind denn alle die, so von
der Musik Werk machen, auch zugleich Musikverständige, oder Musik-
gelehrte? Haben nicht so viele darunter ihre Wissenschaft nur als ein
Handwerk erlernet? Es kann also leicht geschehen, daß man sich mit sei-
nen Fragen an den unrechten wendet, und daß der Musikus eben sowohl,
als mancher Liebhaber, aus Unwissenheit, aus Eifersucht, oder aus
Vorurtheil und Schmeicheley entscheidet. Ein solcher Ausspruch geht
denn, wie ein Lauffeuer, gleich weiter, und nimmt die Unwissenden, wel-
che sich auf ein solches vermeyntes Orakel berufen, dergestalt ein, daß
endlich ein Vorurtheil daraus erwächst, welches nicht leicht wieder aus-
zutilgen ist. Ueber dieses kann auch nicht einmal ein jeder Musikus fähig
seyn, alles was in der Musik vorkommen kann, zu beurtheilen. Das
Singen erfodert seine besondere Einsicht. Die Verschiedenheit der In-
strumente ist so groß; daß eines Menschen Kräfte und Lebenszeit nicht
zureichend seyn würden, alle ihre Eigenschaften einsehen zu lernen. Ich
geschweige so vieler Dinge, welche man bey richtiger Beurtheilung der
Composition zu verstehen und zu beobachten hat. Ein Liebhaber der Mu-
sik muß also, ehe er sich dem Urtheile eines Tonkünstlers anvertrauet, zu-
vor wohl prüfen, ob derselbe auch wirklich im Stande sey, richtig zu ur-
theilen. Bey einem der seine Wissenschaft gründlich erlernet hat, geht
man sicherer, als bey einem, der nur seinem guten Naturelle gefolget ist:
wiewohl das letztere auch eben nicht ganz zu verwerfen ist. Weil auch
nicht

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