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Quantz: Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen

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Einleitung.

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  Schmiede gewesen sind. Der eine wurde von seinem Vater, welcher
Vermögen hatte, und nicht wollte, daß sein Sohn ein gemeiner Hand-
werker werden sollte, der Musik gewidmet. Von Seiten des Vaters
wurden keine Kosten gesparet. Es wurden noch mehrere Meister gehal-
ten, um den Sohn zugleich neben andern Instrumenten, auch in der
Wissenschaft des Generalbasses, und in der Composition zu unterrichten.
Ob nun der Lehrling gleich viel Lust zur Musik gezeigte, und allen Fleiß
anwendete; so blieb er doch nur ein ganz gemeiner Musikus, und würde
sich zu seines Vaters Handwerke viel besser als zur Musik geschicket haben.
Der andere wurde hingegen von seinem Vater, der nicht so viel Vermö-
gen als jener hatte, dem Schmiedehandwerke bestimmet. Es würde
auch solches unfehlbar erfüllet worden seyn, wenn er nicht durch das früh-
zeitige Absterben seines Vaters, die Freyheit erlanget hätte, sich selbst
nach seinem eigenen Gefallen eine Lebensart zu erwählen. Zu dem Ende
wurde ihm von seinen Anverwandten viererley vorgeschlagen, nämlich,
ob er ein Schmidt, oder ein Schneider, oder ein Musikus werden wollte,
oder ob er Lust zum Studiren hätte; weil von jeder Art, unter seinen
Anverwandten, sich einige befanden. Weil er aber zur Musik die größte
Neigung bey sich verspürete, so ergriff er auch glücklicher Weise diese
Wissenschaft, und kam zu obengemeldetem Meister in die Lehre. Was
ihm hier an guter Anweisung, und am Vermögen andere Meister zu hal-
ten, abgieng; das ersetzete sein Talent, Lust, Begierde und Fleiß, in-
gleichen die glückliche Gelegenheit, bald an solche Orte zu kommen, wo er
viel gutes hören konnte, und des Umgangs vieler brafen Musikverständi-
gen theilhaftig wurde. Hätte sein Vater noch ein paar Jahre länger ge-
lebet; so hätte dieser Schmidtssohn auch ein Schmidt werden müssen:
folglich würde sein Talent zur Musik seyn vergraben worden; und seine
nachher verfertigten musikalischen Werke, würden niemals das Licht er-
blicket haben. Ich geschweige vieler andern Exempel, da es nämlich
Leute gegeben hat, welche zwar die Hälfte ihrer Lebensjahre auf die Mu-
sik gewendet, und Profeßion davon gemacht, sich aber erst, in ihrem
männlichen Alter, auf eine andere Wissenschaft geleget haben; in welcher
es ihnen ohne sonderliche Anweisung besser gelungen ist, als in der Mu-
sik. Wären nun diese Leute gleich in der Jugend zu demjenigen ange-
halten worden, was sie nachhero erst ergriffen haben; so hätten sie un-
fehlbar die größten Künstler werden müssen.
4. §. Das

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