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Quantz: Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen

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Einleitung.

11

 

ich voraus setze, das Glück gehabt, einen guten Meister zu treffen, muß
er denselben so lange zu erhalten suchen, als er einer Unterweisung nö-
thig hat. Es ist nichts schädlicher, als wenn ein Scholar sich bald bey die-
sem bald bey jenem Meister in die Unterweisung begiebt. Denn wegen
des verschiedenen Vortrages und der verschiedenen Art zu spielen, macht
dieses bey einem Anfänger Verwirrung; indem derselbe, so zu sagen,
allezeit von neuem wieder anfangen muß. Es sind zwar viele, die sich was
besonderes draus machen, wenn sie, von vielen großen Meistern gelernet
zu haben, sich rühmen können; allein man findet selten, daß sie auch zu-
gleich von denselben vieles profitiret haben. Denn wer von einem Mei-
ster zum andern läuft, dem gefällt es bey keinem; und er hat zu keinem
ein Vertrauen: zu wem man aber kein Vertrauen hat, dessen Lehrsätze
pflegt man nicht gerne anzunehmen. Hat man aber einmal zu einem
guten Meister ein rechtes Vertrauen gefasset, und läßt ihm die gehörige
Zeit, seine Wissenschaft offenbar zu machen; so wird man, wenn man
dabey die wahre Begierde hat zu einer Vollkommenheit zu gelangen, von
Zeit zu Zeit immer mehr Vortheile entdecken, die man vorher einzusehen
nicht fähig gewesen; die aber zu weiterm Nachforschen Gelegenheit geben.

12. §.

  Dieses weitere Nachforschen muß sich auch ein angehender Musikus
theuer empfohlen seyn lassen. Auch der Fleiß macht es noch nicht allein
aus. Man kann ein gutes Naturell, gute Anweisung, großen Fleiß,
gute Gelegenheit viel schönes zu hören, haben, und doch immer mittel-
mäßig bleiben. Man kann viel componiren, viel singen, und viel spielen,
ohne in der Erkenntniß und Geschiklichkeit zuzunehmen. Denn alles was
in der Musik ohne Nachdenken und ohne Ueberlegung, gleichsam nur zum
Zeitvertreib geschieht, ist ohne Nutzen. Ein Fleiß also, der eine bren-
nende Liebe und unersättliche Begierde zur Musik zum Grunde hat,
muß mit einem beständigen und eifrigen Nachforschen, und reifem Nach-
denken und Untersuchen verknüpfet werden. Es muß ein edler Eigensinn
dabey herrschen, welcher nicht erlaubet, daß man sogleich in allen Stü-
cken mit sich selbst zufrieden sey; sondern immer vollkommener zu werden
trachte. Denn wer die Musik nur auf das Gerathewohl, nicht als eine
Wissenschaft, sondern nur als ein Handwerk treiben will, der wird lebens-
lang ein Stümper bleiben.
13. §. Bey

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