Navigation bar Home To Editions To Books To Database To Textss To About To Cart

Quantz: Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen

Previous page Table of Contents Next page

 

306

Das XVIII. Hauptstück. Wie ein Musikus

  gierig sey; ob von den Anwesenden, wenn das Stück zu Ende ist, ein
Verlangen gezeiget werde, dasselbe noch einmal zu hören. Endlich müs-
sen sie auch ihrer eigenen Empfindung in etwas nachgehen, und untersu-
chen, ob die angehörete Musik sie selbst gerühret habe; wenn sie auch gleich
nicht allemal die Ursache davon sagen können. Finden sich nun alle die
hier bemeldeten vortheilhaften Umstände bey einer Musik: so kann auch
ein der Musik nicht kundiger Zuhörer sicher schlüßen, daß das Stück gut
gesetzet, und gut ausgeführet worden sey.

52. §.

  Der Unterschied des Geschmackes, der sich bey verschiedenen
Nationen, welche an den Wissenschaften überhaupt Geschmack finden, nicht
sowohl in Ansehung des Wesentlichen, als vielmehr des Zufälligen der
Musik, äußert, hat in die musikalische Beurtheilung den größten Einfluß.
Es ist also nöthig, diesen Unterschied des Geschmackes, in der Musik,
noch etwas weitläufiger zu untersuchen: ob ich gleich schon im Vorigen,
an verschiedenen Orten, wo es nöthig war, etwas davon angeführet
habe.

53. §.

  Jede Nation, die anders nicht zu den barbarischen gehöret, hat zwar
in ihrer Musik etwas, das ihr vor andern vorzüglich gefällt: es ist aber
theils nicht so sehr von andern unterschieden, theils nicht von solcher Er-
heblichkeit, daß man es einer besondern Aufmerksamkeit würdig schätzen
könnte. Zwey Völker in den neuern Zeiten aber, haben sich besonders, nicht
nur um die Ausbesserung des musikalischen Geschmackes verdient gemacht,
sondern auch darinne, nach Anleitung ihrer angebohrnen Gemüthsnei-
gungen, vorzüglich von einander unterschieden. Dieses sind die Ita-
liäner
, und die Franzosen. Andere Nationen haben dem Geschma-
cke dieser beyden Völker den meisten Beyfall gegeben, und entweder die-
sem, oder jenem nachzufolgen, und etwas davon anzunehmen, gesuchet.
Hierdurch sind die gedachten beyden Völker auch verleitet worden, sich
gleichsam zu eigenmächtigen Richtern des guten Geschmackes in der Mu-
sik aufzuwerfen: und weil niemand von den Ausländern lange Zeit nichts
dawider einzuwenden gehabt hat; so sind sie gewissermaßen, einige Jahr-
hunderte hindurch, wirklich die musikalischen Gesetzgeber gewesen. Von
ihnen ist hernach der gute Geschmack in der Musik auf andere Völker
gebracht worden.
54. §. Daß

Web site and database © 2001–2017 Steglein Publishing, Inc.


Home Editions Books Database Online Texts About Cart

Steglein