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Quantz: Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen

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Das XVIII. Hauptstück. Wie ein Musikus

  noch sie übertäuben oder unterdrücken. 8) Im Ritornell muß man eine
proportionirliche Länge beobachten. Es muß dasselbe wenigstens aus
zweenen Haupttheilen bestehen. Der zweyte Theil davon, muß, weil man
ihn am Ende des Satzes wiederholet, und damit schließet, mit den schön-
sten und prächtigsten Gedanken ausgekleidet werden. 9) Sofern der
Anfangsgedanke vom Ritornell nicht singend, noch zum Solo bequem ge-
nug ist: so muß man einen neuen Gedanken, welcher jenem ganz entge-
gen ist, einführen, und mit den Anfangsgedanken dergestalt verbinden,
daß man nicht bemerken könne, ob solches aus Noth, oder mit gutem
Bedachte geschehen sey. 10) Die Solosätze müssen theils singend seyn,
theils muß das Schmeichelnde mit brillanten, melodischen, und harmoni-
schen, dem Instrumente aber gemäßen Passagien, untermischet, auch,
um das Feuer bis ans Ende zu unterhalten, mit kurzen, lebhaften, und
prächtigen Tuttisätzen abgewechselt werden. 11) Die concertirenden oder
Solosätze dürfen nicht zu kurz, die mittelsten Tutti hingegen, nicht zu
lang seyn. 12) Das Accompagnement unter dem Solo muß nicht sol-
che Bewegungen haben, welche die concertirende Stimme verdunkeln
könnten; es muß vielmehr immer wechselweise bald aus vielen, bald aus
wenigen Stimmen bestehen: damit die Hauptstimme dann und wann
Luft bekomme, sich mit mehrerer Freyheit hervor zu thun. Licht und
Schatten muß überhaupt immer unterhalten werden. Wenn es die Pas-
sagien leiden, oder man sie solchergestalt zu erfinden weis, daß die beglei-
tenden Stimmen darunter etwas bekanntes aus dem Ritornell anbringen
können: so thut es eine gute Wirkung. 13) Man muß immer eine
richtige und natürliche Modulation beobachten, und keine allzufremde
Tonart, welche das Gehör beleidigen könnte, berühren. 14) Das Me-
trum, auf welches man in der Setzkunst überhaupt ein genaues Augen-
merk zu richten hat, muß auch hier genau beobachtet werden. Die Cä-
sur, oder die Einschnitte der Melodie, dürfen im gemeinen geraden Tacte
nicht auf das zweyte oder vierte Viertheil, und im Tripeltacte nicht auf
den dritten oder fünften Tact fallen. Man muß das Metrum, so wie
man es angefangen hat, es sey zu ganzen oder halben Tacten, oder im
Tripeltacte zu zween, vier, oder acht Tacten, zu unterhalten suchen:
weil ausserdem die künstlichste Composition mangelhaft wird. Im Tri-
peltacte wird, bey einem Arioso, wenn in demselben die Melodie öftere
Abschnitte leidet, die Cäsur zu drey und zween Tacten nach einander zu-
gelassen. 15) Die Passagien darf man durch die Transposition, nicht
in

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