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Quantz: Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen

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Einleitung.

 
 

diejenigen die Musik verbessern, die selbst noch in der Unwissenheit stecken?
Finden sich auch ja einige, die das Instrument gut, oder zum wenigsten
leidlich spielen; so fehlet es doch noch vielen an der Gabe, das, was sie
selbst wissen, andern beyzubringen. Es ist möglich, daß einer, der zwar
gut spielet, doch schlecht zu informiren wisse. Ein anderer kann vielleicht
besser informiren als selbst spielen. Nun ist ein Scholar nicht fähig einen
Meister zu beurtheilen, ob er gut oder schlecht unterrichte: deswegen ist
es ein Glück, wenn er zufälliger Weise den besten erwählet. Wie aber
ein Meister beschaffen seyn müsse, wenn er gute Scholaren ziehen soll, ist
zwar schwer, ausführlich zu bestimmen; doch wird man es aus folgendem
Verzeichniße der Fehler, die er vermeiden muß, ohngefähr abnehmen kön-
nen: und ein Anfänger thut wohl, wenn er sich bey unpartheyischen Leu-
ten, die aber in die Musik Einsicht haben, deswegen Raths erholet. Ein
Meister, der von der Harmonie nichts versteht, und nur ein blosser In-
strumentist ist; der seine Wissenschaft nicht gründlich, und durch richti-
ge Grundsätze erlernet hat; der von dem Ansatze, der Fingerordnung,
dem Athemholen, und Zungenstoße, keinen richtigen Begriff hat; der we-
der die Paßagien im Allegro, noch die kleinen Auszierungen und Feinig-
keiten im Adagio deutlich und rund zu spielen weis; der keinen annehmli-
chen und deutlichen Vortrag, und überhaupt keinen feinen Geschmack
hat; der, um die Flöte rein zu spielen, von dem Verhältniße der Töne
keine Erkenntniß besitzet; der das Zeitmaaß nicht in der äussersten Stren-
ge zu beobachten weis; der nicht die Einsicht hat, einen simpeln Gesang
an einander hangend zu spielen, und die Vorschläge, pincemens, batte-
mens
, flattemens, doublez und Triller an gehörigen Orten anzubrin-
gen; der bey einem Adagio, dessen Gesang trocken, das ist ohne Auszie-
rungen, geschrieben ist, nicht, so wie es der Gesang und die Harmonie
erfodert, die willkürlichen Manieren zuzusetzen, und nebst den Manieren,
durch das abwechselnde forte und piano, Schatten und Licht zu unter-
halten fähig ist; Ein Meister, der nicht jede Sache, so dem Scholaren
noch schwer zu begreiffen fällt, deutlich und gründlich zu erklären
im Stande ist: sondern demselben nur alles nach dem Gehöre, und durch das
Nachahmen, wie man etwa einen Vogel abzurichten pfleget, beyzubrin-
gen suchet; Ein Meister, der dem Lehrlinge schmeichelt, und alle Fehler
übersieht; der nicht Gedult hat, dem Scholaren eine Sache öfters zu
zeigen, und sie wiederholen zu lassen; der nicht solche Stücke, die sich von
Zeit zu Zeit für des Untergebenen Fähigkeit schicken, zu wählen, und

jedes

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