Quantz: Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen
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Einleitung. |
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er gar nichts davon erlernet hat? Mit der Erkennitniß und Einsicht aber,
wächst auch die Achtung und Liebe zu einer Sache. Vornehme Perso- nen laßen ihre Kinder wohl nicht allemal in der Absicht in vielerley Wissen- schaften unterrichten, um Werk davon zu machen: sondern es geschieht vielmehr deswegen, daß sie in vielerley Wissenschaften eine Einsicht erlan- gen sollen, um bey Gelegenheit davon sprechen zu können. Wären nun alle Musikmeister auch zugleich Musikverständige; wüßten sie ihren Un- tergebenen von einer künstlichen Musik richtige Begriffe beyzubringen: ließen sie dieselben beyzeiten wohl ausgearbeitete Stücke spielen, und er- kläreten ihnen den Inhalt davon: so würden sie die Liebhaber nicht nur nach und nach an solche Arten von Musik gewöhnen; sondern die Liebha- ber würden auch überhaupt mehr Einsicht in die Musik erlangen, und mehr Vergnügen daran finden. Die Musik würde dadurch in eine größere Ach- tung kommen, als sie nicht ist: und die wahren Tonkünstler würden für ihre Arbeit mehr Dank verdienen. Da aber die meisten Liebhaber die Musik nur mechanisch erlernen: so fällt dieser Vortheil weg; und die Mu- sik bleibt in desto größerer Unvollkommenheit: weil es sowohl an guten Meistern, als an folgsamen Scholaren fehlet. |
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17. §. |
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Will man wißen, was denn nun eigentlich der Gegenstand des wei-
tern Nachforschens seyn soll; so dienet zur Antwort: Wenn ein angehen- der Componist die Regeln der Harmonie, welche, ob es wohl vielen an der Kenntniß derselben fehlet, doch nur, wie gesagt, das wenigste und leichteste in der Composition sind, gründlich erlernet hat; so muß er sich befleißigen, eine gute Wahl und Vermischung der Gedanken, nach der Absicht eines jeden Stückes, vom Anfange bis ans Ende deßelben, zu treffen; die Gemüthsbewegungen gehörig auszudrücken; einen fließenden Gesang zu erhalten; in der Modulation zwar neu, doch natürlich, und im Metrum richtig zu seyn; Licht und Schatten beständig zu unterhal- ten; seine Erfindungen in eine gemäßigte Länge einzuschränken; in Anse- hung der Abschnitte, und der Wiederholungen der Gedanken, keinen Misbrauch zu begehen; sowohl für die Stimme als Instrumente bequem zu setzen; in der Singmusik nicht wider das Sylbenmaaß, noch weniger wider den Sinn der Worte zu schreiben; und sowohl von der Singart, als von den Eigenschaften eines jeden Instruments, eine hinlängliche Er- kenntniß zu erlangen. Ein Sänger oder Instrumentist aber muß sich an- gelegen seyn lassen, der Stimme oder des Instruments vollkommen mächtig |
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