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Quantz: Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen

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und eine Musik zu beurtheilen sey.

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  Arien allein begnügen, sondern sich sowohl im Kirchenstyle als in der In-
strumentalmusik auch üben; wenn sie wegen Einrichtung der Stücke, und
wegen vernünftiger Verbindung und Vermischung der Gedanken, solche
Componisten, welche einen allgemeinen Beyfall erhalten, sich zu Mu-
stern vorstellen, um ihrer Art zu setzen, und ihrem feinen Geschmacke
nachzuahmen: doch daß sie sich dabey nicht gewöhnen, wie es von sehr
vielen geschieht, sich mit fremden Federn zu schmücken, und etwa den
Hauptsatz, oder den ganzen Zusammenhang, von diesem oder jenem aus-
zuschreiben, oder aufzuwärmen; wenn sie vielmehr ihre eigene Erfin-
dungskraft dran strecken, um ihr Talent ohne Nachtheil eines Andern
zu zeigen, und aufzuräumen, und um nicht, anstatt Componisten zu
werden, immer nur Copisten zu verbleiben; wenn die deutschen In-
strumentisten
sich nicht, wie oben von den Italiänern gesaget worden
ist, durch eine bizarre und komische Art auf Irrwege führen lassen: son-
dern die gute Singart, und diejenigen, welche in einem vernünftigen
Geschmacke spielen, zum Muster nehmen; wenn ferner die Italiäner
und die Franzosen den Deutschen in der Vermischung des Geschma-
ckes so nachahmen wollten, wie die Deutschen ihnen im Geschmacke nach-
geahmet haben; wenn dieses alles, sage ich, einmüthig beobachtet würde:
so könnte mit der Zeit ein allgemeiner guter Geschmack in der
Musik
eingeführet werden. Es ist auch dieses so gar unwahrscheinlich
nicht: weil weder die Italiäner, noch die Franzosen, doch mehr die Lieb-
haber der Musik, als die Tonkünstler unter ihnen, mit ihrem puren
Nationalgeschmacke selbst mehr recht zufrieden sind; sondern schon seit
einiger Zeit, an gewissen ausländischen Compositionen, mehr Gefallen,
als an ihren inländischen, bezeiget haben.

89. §.

  In einem Geschmacke, welcher, so wie der itzige deutsche, aus
einer Vermischung des Geschmackes verschiedener Völker besteht, fin-
det eine jede Nation etwas dem ihrigen ähnliches; welches ihr also nie-
mals misfallen kann. Müßte man auch gleich, in Betrachtung aller,
über den Unterschied des Geschmackes bisher angeführten Gedanken
und Erfahrungen, dem puren italiänischen Geschmacke, vor dem puren
französischen, einen Vorzug einräumen: so wird doch jedermann einge-
stehen, weil der erste nicht mehr so gründlich, als vor diesem ist, son-
dern sehr frech und bizarr geworden, der andere hingegen gar zu simpel
geblieben ist, daß deswegen ein, von dem Guten beyder Arten zusam-
menge-

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