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Quantz: Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen

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und eine Musik zu beurtheilen sey.

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  eine singende Nebenstimme leidet. 2) Der Vortrag beym Anfange eines
jeden Satzes, besonders aber im Adagio, darf nicht zu lang seyn: weil
solches bey der Wiederholung, so die zweyte Stimme machet, es sey in
der Quinte, oder in der Quarte, oder im Einklange, leichtlich einen
Ueberdruß erwecken könnte. 3) Keine Stimme darf etwas vormachen,
welches die andere nicht nachmachen könnte. 4) Die Imitationen müs-
sen kurz gefasset, und die Passagien brillant seyn. 5) In Wiederholung
der gefälligsten Gedanken muß eine gute Ordnung beobachtet werden.
6) Beyde Hauptstimmen müssen so gesetzet seyn, daß eine natürliche und
wohlklingende Grundstimme darunter statt finden könne. 7) Soferne
eine Fuge darinne angebracht wird, muß selbige, eben wie beym Qua-
tuor, nicht nur nach den Regeln der Setzkunst richtig, sondern auch
schmackhaft, in allen Stimmen ausgeführet werden. Die Zwischensätze,
sie mögen aus Passagien oder andern Nachahmungen bestehen, müssen
gefällig und brillant seyn. 8) Obwohl die Terzen- und Sextengänge in
den beyden Hauptstimmen eine Zierde des Trio sind; so müssen doch
dieselben nicht zum Misbrauche gemachet, noch bis zum Ekel durchge-
peitschet, sondern vielmehr immer durch Passagien oder andere Nach-
ahmungen unterbrochen werden. Das Trio muß endlich 9) so beschaf-
fen seyn, daß man kaum errathen könne, welche Stimmen von beyden
die erste sey.

46. §.

  Ein Solo zu machen, hält man heutiges Tages für keine Kunst
mehr. Fast ein jeder Instrumentist giebt sich damit ab. Hat er selbst
keine Erfindung: so behilft er sich mit entlehneten Gedanken. Fehlet es
ihm an Kenntniß der Compositionsregeln: so läßt er sich den Baß von
einem Andern dazu machen. Hierdurch kommen nun, anstatt guter Mu-
ster, viele Misgeburthen zum Vorscheine.

47. §.

  Es ist eben nicht eine so gar leichte Sache, ein gutes Solo zu ma-
chen. Es giebt Componisten, welche die Setzkunst vollkommen verste-
hen, auch in vollstimmigen Werken glücklich sind; aber schlechte Solo
machen. Andern hingegen gerathen die Solo besser, als die vollstimmigen
Sachen. Glücklich ist der, dem beydes gelingt. So wenig aber, um
ein gut Solo zu setzen, eben nöthig ist, alle die innersten Geheimnisse der
Composition zu besitzen: so wenig geht es auch an, ohne von der Har-
monie

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