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Quantz: Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen

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20

Einleitung.

 
 

zu bleiben. Und wer sich die Composition zu seinem Augenmerke erwäh-
let; dem wird eine gründliche Einsicht in die Schauspielkunst nicht un-
dienlich seyn.

20. §.

  Die Eigenliebe wohl zu ordnen und im Zaume zu halten, soll das
letzte seyn, welches ich einem, der in der Musik weit zu kommen wünschet,
anrathe. Ist eine unmäßige und übel geordnete Eigenliebe überhaupt
sehr schädlich; indem sie leichtlich den Verstand verdunkeln, und an der
wahren Erkenntniß hinderlich seyn kann: so ist sie es gewiß auch bey der
Musik; und zwar dieses um so viel mehr, ie mehr sie sich bey dieser ein-
zuschleichen pfleget. Sie findet bey der Musik mehr Nahrung als bey
andern Profeßionen, bey welchen man sich nicht, wie bey dieser, mit ei-
nem bloßen Bravo abspeisen, und aufgeblasen machen läßt. Wie viel
Unordnungen hat sie nicht schon in der Musik angerichtet? Man gefällt
sich anfangs meistentheils selbst mehr, als andern. Man ist schon
zufrieden, wenn man nur etwa zur Noth eine Stimme mitspielen kann;
Man läßt sich durch das unzeitige und überflüßige Loben verblenden; und
nimmt es wohl gar für einen verdienten Lohn an. Man will durchaus
keinen Widerspruch, keine Erinnerungen oder Verbesserungen leiden.
Sollte jemand sich dergleichen etwan aus Noth, wenn es geschehen muß,
oder aus guter Meynung unterfangen: so hält man denjenigen, der so
verwegen ist, augenbliklich für einen Feind. Man schmeichelt sich oft-
mals, bey einer sehr geringen Erkenntniß, doch sehr vieles zu wissen, und
suchet sich wohl über solche zu erheben, von denen man noch lernen könnte.
Ja, was noch mehr ist, man verachtet wohl gar dieselben, aus Eifer-
sucht, Neid und Misgunst. Sollte es aber genau untersuchet wer-
den, so bestehet solches vermeynte Wissen, bey vielen, nur aus einer
Marktschreyerey, nämlich: daß man etwan einige Kunstwörter aus
theoretischen Schriften ins Gedächtniß gefaßet hat; oder daß man von
den musikalischen Kunststücken zwar ein wenig zu reden, solche aber nicht
zu machen weis. Hierdurch kann man sich nun zwar bey Unwissenden
einiges Ansehen erwerben; bey Musikverständigen aber, steht man in
Gefahr, lächerlich zu werden: weil man denen Handwerkern gleichet,
die zwar das Handwerkszeug zu nennen, aber schlecht zu gebrauchen
wissen. Wie es denn verschiedene Menschen giebt, welche von einer
Kunst oder Wissenschaft zwar vieles zu reden im Stande sind: in der
That aber, viel weniger in der Ausübung zeigen können, als vielleicht
andere,

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